MIT PFEIFEN UND TROMPETEN

Regiekommentar

Da ich oft gefragt wurde, wie ich die beiden Charaktere aus „Mit Pfeifen und Trompeten“ kennengelernt habe und warum ich es für notwendig halte, Filme wie diesen zu drehen, hier meine Gedanken dazu:

2014, ein halbes Jahr nach meinem Abitur wollte ich so schnell wie möglich ins „Filmgeschäft“ einsteigen. Und was eignet sich dafür besser, als eine seichte, deutsche, Vierzehnuhrzehn-ARD-Telenovela wie „Rote Rosen“?

So kam es, dass ich eines Tages auf dem Lüneburger Marktplatz die gefühlt tausendste Klappe schlug, als Ullrich und Peter Macht pfeifend durchs Bild liefen. Der Take musste natürlich abgebrochen werden. In diesem Moment war ich aber fasziniert, wie unbekümmert die beiden ihrem Hobby nachgingen und dies mit einer Leidenschaft, die ich so noch nicht gesehen habe.

Ich gab ihnen schnell meine Visitenkarte und wir verabredeten uns zwei Tage später auf Burger mit Pommes. Dann erzählte ich ihnen, dass ich gerne einen Film über sie drehen würde. Einen Tag mit der Kamera begleiten, mehr nicht. Sie waren sofort dabei.

Ich suchte mir einen Tonangler und jemanden der ein Styropor halten konnte und das wars. Kein großes Equipment, kein großes Team - wir waren nur fünf Leute, die Lust hatten einen Film zu drehen.

Mir war es wichtig, den beiden eine Plattform zu geben. Und zwar nicht so, wie RTL II und Castingshows das machen. Nach dem Dreh habe ich erfahren, dass die Beiden tatsächlich auch als Kandidaten für „Das Supertalent 2009“ vor der Kamera standen. Ich habe mir dann die Videos dazu im Internet angeschaut und… ich brauch es hier nicht weiter ausführen.

Man kann Menschen so und so darstellen. Ich finde wer Filme dreht, hat Verantwortung. Viele Menschen sind sich ihrer Verantwortung nicht bewusst oder - was noch viel schlimmer ist - verdienen ihr Geld (und davon nicht wenig) durch das Bloßstellen von Menschen. Es ist ein leichtes, Menschen in Schubladen zu stecken. Wir sehen immer das, was wir auch sehen wollen.

Was ich bei „Mit Pfeifen und Trompeten“ besonders spannend finde, sind die unterschiedlichen Reaktionen, die der Film bei den Zuschauern auslöst. Die Meinungen gehen weit auseinander:

„Felix, was willst du uns damit jetzt sagen“… oder „Wieso drehst du sowas, hast du nichts besseres zu tun?“

Der Film ist jetzt seit über zwei Jahren online und hat knapp 50 Klicks. Ein viraler Hit ist er auf jeden Fall nicht. Aber muss er das?

Immer häufiger habe ich das Gefühl, das gute Filme anhand der Aufrufe, der „Viralität“ beurteilt werden. Und immer häufiger sehe ich Einheitsbrei, der langweilt. Und deshalb frage ich mich auch manchmal:

„Wieso postest du sowas, hast du nichts besseres zu tun?“

Was einen guten Film ausmacht, ist immer noch die Geschichte. Du kannst eine noch so teure Kamera, ein noch so großes Team, die besten Schauspieler und ein dickes Budget haben, wenn die Geschichte nicht stimmt, kannst du den Film in die Tonne treten. Und manchmal ist es gut, sich auf das wesentliche zu konzentrieren. Oder einfach zu denken „Fuck off, ich zieh das jetzt einfach durch, weil ich einfach richtig Bock drauf hab."

- Felix, am 28.09.2017